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5. Treffen in Monopoli, 07.-10.11.2022

Biodiversity meets music – 5. Treffen in Monopoli (Apulien, Italien)

 

Anreisetag – 06/11/22

Unsere Anreise verlief reibungslos, Anteil daran hatten nicht zuletzt auch die Eltern unserer Schüler, die für uns eine bequeme Fahrt nach Maastricht ermöglichten und uns auch auf der Rückfahrt das letzte Stück nach Heerlen „entgegenkamen“ – besten Dank schon mal dafür! Am Flughafen MAA ließen wir die strengen Sicherheitskontrollen über uns ergehen. Anschließend vertrieben uns einige Klavierspieler die Zeit beim Warten auf das Öffnen des Gates. Trotz Gerüchten, der Flug ginge nach Baris statt nach Bari, und der Eiffelturm käme bald in Sicht, landeten wir sicher in Bari, der Hauptstadt Apuliens.

Ab Bari wurde es dann ein bisschen strange, Vincenzo holte uns mit seinem dicken Benz Vito ab, zählte kurz durch, packte 8 Personen mal eben auf 7 Plätze, und gab Gas, als ob die Mafia höchstpersönlich hinter ihm her wäre. Bei einem Unfall auf der Autobahn, der uns die Folgen eines Crashs vor Augen führte, umkurvte er ortskundig, aber ständig hupend den Stau und brachte uns in Rekordzeit nach Monopoli zu unserer Unterkunft in der Via Ricasoli. Dort klingelten wir, und unmittelbar kam von oben eine Tüte Müll zur Begrüßung geflogen. Nach einem Telefonat mit Anita kam sie vorbei und zeigte uns das Appartement. Wir teilten die Zimmer ein und machten uns dann noch auf, etwas Essbares in der Stadt zu ergattern. Zwei Straßen weiter fanden wir eine Pizzeria, die aus dem restlichen Teig, der noch da war, ein Wagenrad Pizza Margerita und einige Panzerotti (fettig und geil) zubereitete, die wir auch ratzeputz aufaßen. Anschließend schlenderten wir noch durch die Altstadt und ans Meer, das Herr Bock nach einem Fingertest für badetauglich einstufte.

Tag 1 – 07.11.22

Wie wir noch lernen sollten, ist in Monopoli jeden Tag die Müllabfuhr schon sehr früh unterwegs, so dass einige von uns doch schon recht früh aufgeweckt wurden. Da wir nur einen kurzen Fußweg zur Schule „Istituto Comprensivo G. Modugno – G. Galilei“ hatten, konnten wir uns Zeit lassen und stärkten uns in im Caffè „La Nave“ gegenüber der Schule mit Croissant, Cappuccino und Kakao. Schon bald entdeckten wir einige bekannte Gesichter, denn Magnus aus Trondheim – der ja nicht zu übersehen ist – tauchte mit seinen Schülern auf, die sich zu uns gesellten.

Mit den uns Deutschen nachgesagten Tugenden der Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit fanden wir uns haarscharf zu spät, aus „europäischer“ Sicht aber überpünktlich an der Schule ein, wo wir von Francesca, Simonetta, den begleitenden Lehrern der Partnerschulen und den Schülern begrüßt wurden und mit allem Wichtigen für die ersten Programmpunkte versorgt wurden.

Nach kurzer Zeit folgten wir Francesca quer durch die Stadt zum „Municipio“, dem Rathaus, wo wir im Ratssaal auf den Bänken und Stühlen Platz nehmen durften, um auf Bürgermeister A. Annese und die Schulleiterin A. Demola zu warten, die beide einige freundliche Begrüßungsworte an uns richteten und auf die Bedeutung solcher Erasmus-Austausche für das gegenseitige Kennenlernen und das Verständnis verschiedener Kulturen und Gebräuche hin.

Anschließend teilten Francesca und Simonetta die Gruppe in zwei kleinere, gemischte Gruppen ein, die dann zu den zahlreichen und fußläufig erreichbaren Sehenswürdigkeiten in der Altstadt von Monopoli geführt wurden, wobei die italienischen Schüler („ragazzi“ oder „young guides“) die Rollen der Touristenführer übernahmen und interessante Details berichteten. Die Gäste passten hierbei besonders gut auf, da die Genannten Infos wie Alter, Funktion u.a. am nächsten Tag bei einem Monopoli Game noch sehr nützlich sein sollten.

Die lebendige und anscheinend im Sommer stark von Touristen überlaufene Hafenstadt Monopoli – zwischen Bari und Brindisi gelegen – zeigte sich uns als Stadt mit großer Vergangenheit. Im Mittelalter nahm die Stadt v.a. durch den Handel mit Olivenöl, Wein und Mandeln einen Aufschwung, wodurch viele Kaufleute reich wurden, so dass sich die Bürgerschaft im Jahre 1530 sogar leisten konnte, sich durch Zahlung von 51.000 Golddukaten von der Herrschaft Venedigs freizukaufen. Zeugnis dieses Reichtums gibt das Villengebiet im Hinterland Monopolis.

Seit jeher profitierte die Stadt schon von ihrem sicheren Hafen, was bereits Siedler aus Hellas in der Antike zu schätzen wussten (griech. Monopolis, „einzige Stadt“). Das mittelalterliche Hafenviertel mit seinen verwinkelten Gassen, den überraschenden Ausblicken auf den Hafen mit den Fischkuttern (gozzo) und sich öffnende Perspektiven auf Plätze wie z.B. die Piazza Garibaldi mir der modernen Biblioteca Communale und dem Torre Civica e Colonna Infame ist sehr facettenreich. An jeder Ecke stößt man auf interessante Baudenkmäler – Kirchen, Klöster, Paläste. Direkt am Hafen steht das Castello Carlo V mit dem mächtigen Rundturm. An der Hafenmauer des Kastells ist ein interessantes Reliefbild mit einem Fischkutter im Hintergrund zu erkennen. Es erinnert an den Einsatz der Fischer von Monopoli, die vor über 20 Jahren fast die gesamte Besatzung einer havarierten griechischen Fähre retten konnten. Am südlichen Ende des Hafenviertels befindet sich die Kathedrale Madonna della Madia. Der prachtvolle Barockdom aus der Mitte des 18. Jh. Ist untypisch für diese Gegend und erinnert bereits an die Architektur des Salento – der hohe Turm ist das Wahrzeichen der Altstadt, weithin sichtbar und erscheint zu verschiedenen Tageszeiten in einem anderen Licht.

Nach diesem interessanten Rundgang trafen sich beide Gruppen wieder am Municipio. Direkt nebenan bekamen wir ein vom Caffè Napoli vorbereitetes Lunchpaket, wurden von Francesca jedoch zur Eile gemahnt, da der Schulbus schon auf uns wartete. Es war schon erstaunlich zu sehen, wie viele Schüler und Jugendliche in diesen knallgelben Schulbus passten, der eigentlich für viel kleinere Schüler gebaut wurde. Die Lehrer wurden von Francesca und weiteren Lehrern im PKW mitgenommen. Es ging ein Stück aus Monopoli hinaus in den Parco Lama Belvedere, in dem wir nachfolgend ebenfalls wieder in Kleingruppen Bäume und Sträucher bestimmten und von Antonio Garganese und anderen Lehrern viele Geschichten rund um die Verwendung der Pflanzen erzählt bekamen.

Der Park wird von einer Bürgerinitiative gepflegt, die wiederum von ortsansässigen Firmen unterstützt wird, und hat verschiedene Funktionen. Zum einen dienen die Lamas als Freizeit- und Erholungsraum mit Spielmöglichkeiten für Kinder, zum anderen stellt die Lama Belvedere eine „grüne Lunge“ für die Stadt Monopoli mit ihren fast 50.000 Einwohnern dar. Schließlich sorgt der Kanal nach starken Regenfällen für das kontrollierte Abfließen des Wassers.

Die anschließende Pause hatten sich alle wohlverdient, denn in der Sonne wurde es nochmal richtig war, und die meisten verbrachten die Pause an einem schattigen Plätzchen im Park. Für das erfolgreiche Auffinden und Bestimmen der Pflanzen bekam jeder von Francesca einen als Blume ausgestalteten Kugelschreiber, worüber wir uns sehr freuten.

Nach erfolgter Stärkung und leckerem „Nachtisch“ wanderten wir zu Fuß durch den Park zurück zur Schule, die wir anschließend gezeigt bekamen. In der Aula, die von allen im Gebäude untergebrachten Schulen genutzt werden kann, trafen wir uns zu einem Pizzica-Workshop.

Die Pizzica ist ein traditioneller italienischer Volkstanz aus Apulien und Salento und stellt eine Sonderform der Tarantella dar, die auf einen Heilungstanz der Landbevölkerung am Ende des 14. Jh. nach dem Biss durch die dort auf den Feldern vorkommenden Taranteln – eine Spinnenart – zurückgeht. Der Name leitet sich vom italienischen Wort „pizzicare“ (stechen, beißen) ab. Wir haben uns bemüht und auch fleißig den Takt mit den zur Verfügung gestellten Tamburinen angegeben. Erzählungen zufolge eilten früher die lokalen Musiker zum Haus des Gebissenen und spielten auf ihren Instrumenten (Geigen, Mandolinen, Gitarren, Flöten, Harmonika und Tamburine) immer schnellere Weisen und sangen dazu im Dialekt. Der Gebissene, der zu diesem Zeitpunkt meist bereits hohes Fieber hatte, begann zu tanzen. Ziel war es, das Gift mit der Kraft der Bewegung und des Schweißes auszutreiben. Meist tanzten Familienmitglieder und Dorfbewohner aus Solidarität mit, bis der Gebissene auf dem Boden erschöpft zusammenbrach und hoffentlich geheilt war.

Obwohl sich die Workshop-Leiterin und die Tanzgruppe aus italienischen Schülerinnen sehr bemühte, aus uns ausdrucksstarke Pizzica-Tänzerinnen und -Tänzer zu machen, waren viele doch schon sehr erschöpft, so dass doch lieber noch eine Pause vor dem drohenden „Zusammenbruch“ als letztem Heilungsschritt eingelegt wurde, denn das Tagewerk war ja noch nicht vollbracht.

Nun mussten wir erstmals unsere „Hausaufgaben“ zeigen. Wir hatten den Auftrag bekommen, einige Lieder einzustudieren, die am übernächsten Tag bei einer Schulaufführung zusammen mit dem Chor und Orchester der Schule den Eltern vorgetragen werden sollten – und das musste schließlich geprobt werden.

Unter diesen Liedern fand sich neben der europaweit bekannten „Ode to joy“ (von Beathoven) und einem Lied von Rino Gaetano „Ma il cielo è sempre più blu“ (The sky is always more blue), die wir nach den Proben auch auf Italienisch mitsingen konnten, auch ein italienisches Kinderlied, das sich in den nächsten Tagen als hartnäckiger Ohrwurm entpuppen sollte: „Ci vuole un fiore“ (von Endrico Sergio). Bei der Stellprobe auf der Bühne haben wir Deutsches es geschafft, dass unsere Flagge, die u.a. hinter dem Chor aufgestellt waren, nachher auf Halbmast hing – wer war das?!

Am Abend trafen sich alle Gruppen noch in der Pizzeria „Ai Portici“ – einige der Lehrer lernten das lokal gebraute Bier, Limoncello und den Bitterlikör Amaro del Capo eiskalt zu genießen. Wenig später sind dann die meisten doch recht schnell in ihren Apartments verschwunden. Herr Bock und Dr. O. freuten sich noch über Rock-Lieder aus ihrer Jugend und ein Kaltgetränk in der Kambusa Rock Bar am Meer mit „Sheila“.

Tag 2 – 08.11.22

Los ging´s um 9.00 Uhr vor der Schule. Während die Schüler sich wie tags zuvor in den gelben Minibus zwängten, wurden die Lehrer bequem in privaten PKWs zum Ausgangspunkt der bevorstehenden Wanderung an der Burg Santo Stefano, einer malerisch gelegenen kleinen Badebucht ca. 4 km südlich von Monopoli, mitgenommen. Zu dumm, dass niemand Badesachen dabei hatte…

Den gesamten Vormittag verbrachten wir bei schönstem Sonnenschein und sehr angenehmen Temperaturen mit dem Sammeln und Bestimmen von typischen Pflanzen der Küstenregion, während wir dabei von Bucht zu Bucht, von Lama zu Lama Richtung Monopoli zurückwanderten. Auf dem Weg fanden wir mehrere versteinerte Muscheln, wer den Blick nach oben richtete, konnte mehrere Vogelschwärme in der Luft „tanzend“ und auch Falken im Rüttelflug beim Beutefang beobachten. Ob es sich dabei um Eleonorenfalken handelt, konnte nicht herausgefunden werden.

Ihre Einkünfte aus dem Export von Mandeln, Wein und Olivenöl investierten die begüterten Kaufleute von Monopoli in Traumvillen auf dem Land rund um Monopoli. In den letzten Jahrzehnten des 19. Jh. erwachte die Sehnsucht nach der Natur mit der Folge, dass um die Masserie weitläufige Landschaftsparks und Gärten entstanden, wobei verschiedene Stile munter zusammengemischt wurden.

In Monopoli angekommen, nahmen wir unser Lunch im Bakery Bistrot „Granum“ in Form eines kleinen, aber leckeren Buffets zu uns. Nach einer Erholungspause versammelten wir uns am Nachmittag in der Schule, wo sich die Hälfte der Gruppe mit der Bestimmung der gesammelten Pflanzen beschäftigte und aus einigen dieser Pflanzen ein Herbarium anlegte, während die andere Hälfte an einem Kahoot-Quiz über Monopoli teilnahm, was sich aber als nicht so schwierig wie angenommen entpuppte, da einige der wichtigsten facts zuvor noch einmal wiederholt wurden. Leider haben wir nicht so richtig mitbekommen, wer gewonnen hat…  Nach etwa der Hälfte der Zeit wechselten die Gruppen ihre Aufgaben. Während die Schüler mit diesem Programm beschäftigt waren, trafen sich die Koordinatoren im Computerraum der Schule zu einem hybriden analogen/virtuellen Meeting trafen, um Ideen auszutauschen, die an den letzten beiden Treffen in Trondheim und Stolberg im nächsten Jahr umgesetzt werden sollen.

Anschließen stellten einige Gruppe noch Arbeitsergebnisse aus Projektarbeiten vor. Nora, Lorena und Marcel stellten z.B. die Arbeiten der Bienen-AG und das Handy-Sammelprojekt am Ritzefeld-Gymnasium Stolberg vor, während Zoe über das Projekt zur Herstellung von Apfelsaft von Streuobstwiesen berichteten. Dabei konnten die Partner selbst hergestellte gedörrte Apfelringe probieren und die Lehrer den Ritze-Honig aus diesem Jahr probieren. Auch die Schüler aus Sevilla stellten noch ihre Projekte vor, bevor man sich noch kurz zurückzog, um sich für das gemeinsame Dinner noch etwas frisch zu machen.

Am Abend trafen sich die Schüler und Lehrer dann wieder zum gemeinsamen Abendessen im Restaurant „Caffè Napoli“, wobei die Schüler draußen bei dann doch schon recht kühlen Temperaturen speisten, während die Lehrer innen in der Trattoria Tipica ein wahres Feuerwerk an traditionellen lokalen und regionalen Speisen probieren durften. Bei den – wir haben durchgezählt – insgesamt 15 verschiedenen Gerichten, die uns von der Hausherrin zubereitet wurden – haben einige schnell die Orientierung, den Überblick und die Kontrolle über die Menge der maximal möglichen Speisen verloren, die man als Normalsterblicher so zu sich nehmen kann. Da half ein abschließender Amaro di Lugano auch nicht mehr viel… Trotzdem ein großes Lob an die Küche und die Bedienung… meraviglioso! – ebenso wie das abschließende Bierchen mit Magnus, Stein und Jo im nett eingerichteten Pub „The King“.

Tag 3 – 09.11.22

An diesem Morgen ging es gegen 9.00 Uhr – meist etwas später – mit einem Reisebus Richtung Alberobello, die Königin der Trulli im Land der Zipfelmützenhäuser. Die Stadt erstreckt sich auf beiden Seiten des zentral gelegenen Largo Martellotta mit den Vierteln Rione Aia Piccola und Rione Monti mit seinen steilen Gassen, in denen zahlreiche Souvenirläden und Restaurants zu finden sind. Ganz oben befindet sich die Chiesa di Sant´ Antonio mit einer Dachkonstruktion – wen wundert es – im Trulli-Stil. Alberobello genießt seit 1996 den Status UNESCO-Weltkulturerbe und hat nicht erst seitdem einen touristischen Boom erlebt. Wir stiegen zunächst ein paar Treppen hinauf zu einer Art Balkon, den wir für ein Gruppenfoto vor der Kulisse des Rione Monti nutzen. Nach kurzer Besichtigung der Kirche trafen wir auf der Piazza del Popolo, die ihrem Namen alle Ehre machte, auf unseren Guide, die uns zunächst durch das Viertel Rione Aia Piccola führte und die Bauweise und Funktion der Trulli erklärte. Eine dieser schlichten Bauernhäuser konnten wir besichtigen. Auf einer meist quadratischen Grundfläche wurden zunächst roh bearbeitete Feldsteine in Trockenbauweise zu dicken Grundmauern geformt, auf die die schräg aufeinandergeschichtete Steinplatten – die chiancarelle – in Kegelform angeordnet wurden und meist in einer pinnacola, einer Dachspitze, endete, die als individuelle Kennzeichen der Trullis genutzt wurden oder dem Trullo den Beistand übernatürlicher Kräfte sichern sollte. Eine der zahlreichen Entstehungsgeschichten besagt, dass die Bürger ihre Häuser als Steinhaufen deklarierten, da sie ohne Mörtel gebaut wurden und sie so der Grundsteuer an den König entgehen konnten.

Später gingen wir gemeinsam den Corso Vittorio Emanuele hinauf zur neoklassizistischen Basilica die Sancti Medici, die von einem aus Alberobello stammendem Architekten erbaut wurde und zwei Ärzten geweiht ist. Hinter der Basilica steht der einzige Trullo mit Obergeschoß, der Trullo Sorrano, einer der ältesten Trulli überhaupt, der als Bauernhof, Geschäft oder Wohnung genutzt wurde und zeitweilig sogar einer ganzen Mönchsgemeinde als Unterkunft diente.

Den auf der gegenüberliegenden Seite liegenden Trulli-Hügel durften wir dann auf eigene Faust erkunden und uns je nach Laune die Zeit mit einer ausgiebigen Mittagspause oder einem Bummel durch die Gassen vertreiben, die einige nutzen, um Mitbringsel für die Familie zu ergattern.

Am Nachmittag fuhren wir dann wieder heim, vorbei an den ausgedehnten Olivenhainen und schließlich die Hänge der Bergkette hinunter Richtung Monopoli, mit grandiosen Ausblicken auf die Küstenebene und das adriatische Meer.

Zurück in der Schule stand dann der große Auftritt an. Nachdem einige Musiklassen (Celli, Streicher, Holzbläser, Blechbläser u.a.) den gespannt lauschenden Eltern im Publikum ihr musikalisches Können vorführten und unter Beweis stellten, und sich auch das Orchester präsentiert hatte, füllte sich die Bühne noch mehr. Der Chor, den auch die Schüler und Lehrer der Partnerschulen in unserem Erasmus-Projekt ergänzten, betrat die Bühne zum großen Finale. Giovanni Lenoci dirigierte Orchester und Chor bei der Präsentation des „Inno Alla Gioia“ – uns besser bekannt als Ode to Joy oder Freude schöner Götterfunken. Anschließend hatte der anfangs schon erwähnte Ohrwurm („Ci vuole un fiore“) seinen großen Auftritt, bevor der internationale Chor und Orchester schließlich – unter Leitung von Allessandro Giangrande – mit „Ma il cielo è sempre più blu“ das Publikum begeisterte und zum Mitklatschen bewegen konnte. Anschließend stellte Francesca die beteiligten Partnerschulen noch vor, während sich alle beteilitgten Musiklehrer und die Lehrer der Partnerschulen zum gemeinsamen Gruppenfoto vor der Bühne versammelten – Musik verbindet:

Den Abend verbrachten alle gemeinsam mit einem Besuch im nahegelegenen Städtchen Polignano a Mare, wohin wir mit dem Zug „anreisten“ (eine Haltestelle). Nach einem abendlichen Rundgang durch die als „Perle der südlichen Costa di Bari“ bezeichneten Altstadt, die hoch oben an der Steilküste liegt, die von zahlreichen Grotten durchzogen ist. Die schmalen Gassen der weiß getünchten Altstadt führen an Aussichtsplattformen über die Klippen des Lama Monachile vorbei zum in Mondlicht glitzernden Meer. Aus Polignano stammt auch Domenico Modugno, der mit dem weltbekannten Hit „Volare“ zwar nicht den Grand Prix de la Chanson, jedoch einen Grammy gewinnen konnte. Gegen 19.00 Uhr kehrten wir nach einem Gruppenfoto am Arco Marchesale im Ristorante „Al Buco Preferito Tranquillage“ ein, in sich die meisten einer köstlichen Pizza hingaben. Auf dem Rückweg zum Bahnhof und einem Eis auf die Faust suchten die verschiedenen Gruppen in Monopoli den kürzesten Weg vom Bahnhof zur Unterkunft, wobei sich die Schüler mal ohne Google orientierten.

Tag 4 – 10.11.22

Wir trafen uns wie tags zuvor an der Schule, um mit dem Reisebus Richtung Martina Franca aufzubrechen. Auch wenn die barocke Stadt europäischen Rang hat und eines der schönsten Stadtzentren der Region aufweist, war unser Ziel heute doch ein anderes: Vorbei an Alberobello und die am Vormittag noch wolkenverhangenen Berge rund um den Bosco Selva mit der vorherrschenden Baumart Quercus troiana (Mazedonische Eiche) fuhr der Bus entlang immer schmaler werdender Straßen zu einem Tor, an dem ein Fahrzeug der Carabinieri auf uns wartete, das Tor öffnete und uns zur weiter hinten gelegenen Riserva Naturale Orientata Murge Orientali zu begleiten. Wir waren sehr überrascht, denn damit hatten wir nicht gerechnet.

Ziel unseres Ausflugs war der Besuch des Kommandos der Carabinieri für den Schutz der biologischen Vielfalt und der Parks, das von einem Divisions- oder Brigadegeneral geleitet wird und für den Schutz der biologischen Vielfalt in den 130 staatlichen Naturschutzgebieten und den Nationalparks (130.000 ha Naturkapital) sowie für die Durchsetzung von CITES-Registrierungen (1973 unterzeichnete Washingtoner Artenschutzübereinkommen „Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora (CITES) zuständig ist. Das Carabinieri-Regiment für biologische Vielfalt ist in 28 Einheiten für biologische Vielfalt unterteilt und in drei nationalen Zentren für biologische Vielfalt organisiert. Die herrlichen verwalteten Reservate sind komplexe Ökosysteme, wahre „Schatzkammern“, die eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten in einzigartigen Lebensräumen und Landschaften beherbergen, die sich ständig weiterentwickeln. Obwohl sie ein einziges, kohärentes Bewirtschaftungsmodell darstellen, haben die Reservate verschiedene Schutzziele: Orientierungs-, Biogenetik-, Zoologie-, Populations-, Anthropologie- und Schutzgebiete, wovon einige mehreren Schutzniveaus gleichzeitig unterliegen. Die Einrichtungen des Equestrian Selection Centre liegen im Abschnitt Gorgofreddo des ca. 735 ha umfassenden Reservats, das ca. 7 km von Martina Franca entfernt liegt und zum größten Teil aus Wäldern mit einem hohen Anteil an Mazedonischer Eiche (Quercus troiana), die in Italien nur in den Regionen Apulien und Basilikata vorkommt. Mit ihnen vergesellschaftet sind Quercus pubescens und Quercus ilex in sonnigen Gebieten (Macchia, Garrigue). An einigen Kalksteinwänden lebt die seltene Campanula versicolor. Zu den endemischen Pflanzen gehören: Carduus micropterus ssp. perspinosus, Centaurea centaurium, Centaurea deusta, Crepis apula, Crepis corimbosa, Crocus thomasii, Echinops siculus, Iris pseudopumila, Linaria purpurea, Ophrys celiensis, O. oxyrrhincos, O. tarentina, Ornithogalum adalgisae, Stipa austroitalica, Teucrium siculum und Thymus spinulosus.

Außerdem ist das Reservat reich an weiteren Orchideenarten – bis zu 30 Arten wurden bisher identifiziert.

Da das Gebiet in seiner ursprünglichen Unversehrtheit geschützt wird, beherbergt das Naturreservat verschiedene Säugetiere wie den Wolf, das Wildschwein, den Fuchs, den Igel, den Steinmarder und den Hasen. An Vögeln sind Rotkehlchen, Pirol, Stieglitz und Wiedehopf, die in den ausgedehnten Trockenmauern ideale Nistplätze finden, häufig anzutreffen. Streng durch die Berner Konvention und die EU-Habitat-Richtlinie geschützt sind Bombina variegata (Gelbbauchunke) und Testudo hermanni (Griechische Landschildkröte), die in stark vom Menschen geprägten Umgebungen ebenfalls stark rückläufig sind. Häufiger anzutreffen ist die Vierstreifennatter (Elaphe quatuorlineata), die sich von kleinen Säugetieren, Vogeljungen und Eiern ernährt. Auch die seltene Leopardnatter (Elaphe situla) ist hier anzutreffen und findet ebenso in den zahlreichen Trockenmauern Unterschlupf. Zu den geschützten Arten gehört auch der Schmetterling Melanargia arge (Italian Marbled White), eine endemische Art in Mittel- und Süditalien. Im Zentrum selbst werden Murgese-Pferde gezüchtet und ausgebildet, die von den berittenen Einheiten für den Instituts- und Repräsentationsdienst eingesetzt werden. Übrigens: Das Zentrum versorgt sich fast autark mit nachhaltiger Energie.

Unser Besuch sah also einen Besuch des MuMur (Museum des Murgese-Pferdes) und der Ställe des Carabinieri-Reitzentrums vor. Vor Ort wurde die Gruppe aufgeteilt. Zunächst erfolgte draußen vor der Masseria (Gutshof) eine kleine Einführung in die Tätigkeiten der Carabinieri Biodiversità, mit Verweis auf den Erhalt der Mazedonischen Eiche, von denen viele alte und junge Exemplare rund um die Masseria zu sehen waren. Anschließend erfolgte eine kurze und lustige Einführung in die Kunst des Reitens (ohne Pferd) mit Verweis auf eine elegante und gesundheitsschonende Reitweise – wobei die Übungen der Gruppenmitglieder doch eher auf das Gegenteil hindeuteten. Beim anschließenden Besuch im Museum lernten wir viel über die Geschichte der Pferde allgemein und die Züchtung der Murgese-Pferde, die nach der Murge bzw. der bäuerlichen Landschaft Murgia benannt sind und deren genetisches Erbe erhalten werden soll. Im Innenhof konnten einige Schüler und Lehrer auch praktisch tätig werden.

Nach einer kurzen Pause auf dem Gelände der Masseria machten wir mit unserem Carabiniere einen Ausflug in den Eichenwald, wobei er uns berichtete, wie sich die Arbeit der Dokumentation der Populations­entwicklung des Wolfes in der Region gestaltet (Nationaler Überwachungsplan für die Anwesenheit des Wolfes (in Zusammenarbeit mit ISPRA – Jahr 2020-2021). Wildkameras zur Erfassung der Individuen waren zahlreiche angebracht. Wir konnte auch eine aktuell benutzte Wolfshöhle besuchen – die Wölfe selbst bekamen wir jedoch nicht zu Gesicht, und so musste jeder mit den Bildern seiner Fantasie Vorlieb nehmen. Außerdem konnten wir im Wald einen Holzkohlemeiler (Carbonaia) besichtigen, der von Holzfällern errichtet wurde, die während der Wintermonate Waldarbeiten durchführten und daraus Brennholz gewannen, das sie zum Teil zu Holzkohle verarbeiteten.

Trotz anfänglicher kühler Witterung kam doch recht bald die Sonne hervor und verdrängte die Wolken, so dass wir die Pause in der wärmenden Mittagssonne genießen konnten. Nach diesem interessanten Vormittag in der Riserva Naturale Orientata Murge Orientali stiegen wir wieder in den Bus, der uns nach Bari brachte und uns an der Küstenstraße in der Nähe der Basilika San Nikola absetzte. Nach ein wenig Suchen fanden wir schließlich in der Altstadt auch unseren Guide, den einige noch von unserem ersten Treffen in Kissamos (Kreta) kannten: Roberto, der zwar mittlerweile in Pension gegangen ist, aber wie zuvor nur so vor Energie strotzt und mit Enthusiasmus und Gesten von Francesca das „Regiment“ übernahm, um uns Wissenswertes über Bari näherzubringen. Nach einem Lunch auf einer Aussichtsplattform an der Hafenmauer ging es dann auch schon sofort in medias res: Die zahlreichen Sehenswürdigkeiten hier aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Besonders hervorzuheben sind allerdings die aus dem 12. Jh. stammende weiße Kathedrale San Sabino sowie die Basilika San Nicola, eines der mächtigsten und sehenswertesten Gotteshäuser in Bari. Die Basilika wurde zwischen dem späten 11. Jh. und dem frühen 12. Jh. erbaut und dient als letzte Ruhestätte der Reliquien des Heiligen Nikolaus – daher ist sie auch heute noch eine wichtige Pilgerstätte für römisch-katholische und orthodoxe Christen.

Als wir nach unserem Stadtrundgang schließlich am Castello Svevo di Bari – dem Wahrzeichen der Stadt – ankamen, ließen sich die meisten auf der äußeren Begrenzungsmauer des Grabens nieder.

Die mittelalterliche Festung stammt aus dem 12. Jh. und wurde vom normannischen König Roger II. von Sizilien errichtet. Sie wurde in den darauffolgenden Jahrhunderten zerstört, wiederaufgebaut, mehrfach umgebaut, erweitert und als Gefängnis sowie als Kaserne genutzt. Heute befindet sich zu drei Seiten ein alter Graben, ein historischer Teil der Verteidigungsmauer sowie die großen Eck-Wehrtürme sind noch erhalten. Einige von uns brachten noch die letzten Energiereserven auf und besuchten das Innere des Castello, was sich lohnte, da dort verschiedene Kunstschätze zu sehen waren. Andere brauchten jedoch eine Pause und ein wenig Erholung oder Zeit für Shopping entlang des Corso Vittorio Emanuele II, so dass man sich später wieder etwas links vom Museo Teatro Margherita am Hafen traf, um die Rückfahrt nach Monopoli mit dem Bus anzutreten.

In Monopoli stand in der Masseria Chianchizza ein Orecchiette Workshop auf dem Programm, in dem alle fleißig Hand anlegten und aus wenigen Zutaten nach einfachen Rezepten Taralli, Orecchiette und Frittelle herstellten, die später beim Dinner probiert und verzehrt werden konnten. Das Dinner war – wie eigentlich an jedem Abend – reichhaltig, variantenreich und sehr lecker.

Am fortgeschrittenen Abend kam dann noch eine große Überraschung: Eine Musikgruppe (Akkordeon und Tamburin) kam mit einer Tänzerin herein und animierten uns zu Tanz – natürlich stand die Pizzica auf dem Programm. Der Funke sprang auch sofort über, und eh man sich versah, waren alle auf den Beinen und ließen sich von den Schritten, Drehungen der Tänzerin und den Klängen und Rhythmen der Musiker zu leidenschaftlichem, ja fast ekstatischem Tanz hinreißen und verführen. Man wunderte sich, wieviel „Bewegungsenergie“ bei Schülern und Lehrern noch freigesetzt werden konnte. Und Roberto! Na, was soll man sagen? Chapeau!

Schließlich näherte sich auch dieser schwungvolle und ausgelassene Abend aber auch seinem Ende. Francesca und Simonetta ließen es sich nicht nehmen, den einzelnen Gruppe die Zertifikate persönlich zu überreichen und auf den Gruppenfotos dabei zu sein. Als krönenden Abschluss dieser für alle unvergesslichen Woche in Monopoli gab es dann noch einen Abschiedskuchen, der liebevoll mit dem Logo des Projekts verziert war – und dem musste natürlich jeder noch probieren! Der letzte Amaro gemeinsam mit einigen Musiklehrern aus Monopoli lassen wir nicht unerwähnt.

Die Heimfahrt zu den jeweiligen Unterkünften wurde von den zahlreich erschienenen Lehrern der Schule übernommen – welch´ grandiose Hilfsbereitschaft!

Wir hatten eine erlebnisreiche, geradezu fantastische Woche in Monopoli, nehmen viele neue Eindrücke mit nach Hause, haben Freundschaften gewonnen oder vertieft, und freuen uns schon auf ein Wiedersehen in Trondheim oder bei der Abschlussveranstaltung des Projekts in Stolberg!

Ganz herzlichen Dank an Francesca, Simonetta, und die zahlreichen anderen helfenden Hände, die auf wundersame Weise dazu beigetragen haben, diese Woche für uns alle so unvergesslich schön gestaltet zu haben. 

Abreisetag – Freitag, 11/11/22

Um kurz vor 8.00 Uhr holte uns unser Taxifahrer vor der Unterkunft ab und brachte uns wie erwartet schnell zum Flughafen Brindisi. Dort ließen wir die Sicherheitskontrolle über uns ergehen und warteten auf das Öffnen des Gates – einige von uns schauten nochmal bei den Duty-free Läden vorbei, andere hingen ihren Gedanken nach oder nutzten ihr Smartphone – dafür war während der Woche recht wenig Zeit, was aber auch niemand wirklich vermisst hat. Der Rückflug verlief reibungslos, auch in Eindhoven fanden wir recht schnell die Bushaltestelle für den Shuttle zum Bahnhof. Die Busse waren recht voll, so dass wir nicht alle in einem Bus fahren konnten. Glücklicherweise fuhren die Shuttle-Busse alle paar Minuten, so dass wir am Bahnhof bei einem Snack und heißem Getränk wieder zusammen waren. Kurze Zeit später saßen wir im Zug nach Heerlen, den auch einige niederländische Jecken und Narren nutzten, um am 11.11. den Karneval auf irgendeiner Sitzung in Limburg einzuläuten. In Heerlen angekommen, erwartete die Schüler schon die Eltern-Taxis nach Hause, und so verabschiedete man sich, während Herr Bock und Dr. O. auf der Überland-Busfahrt nach Aachen zu der Erkenntnis gelangten, am liebsten sofort wieder irgendwohin aufzubrechen… nach Monopoli? Träumen darf man doch noch.

Und so ging auch für uns eine erlebnisreiche europäische Woche zu Ende. Einige von uns holte am Samstag beim Tag der offenen Tür am „Ritze“ wieder der schulische „Alltag“ ein…

R. Ostrowski